Resolution der Landesverbände: Überbrückungshilfe nachschärfen – Unternehmerlohn einbeziehen

Die Landesverbände der Freien Berufe und ihre Mitgliedsorganisationen stehen in der Corona-Krise in noch dichterem Kontakt mit den einzelnen freiberuflichen Büros, Praxen und Kanzleien. So erfahren sie nicht nur viel über die vielfältigen Unterstützungsleistungen der Freien Berufe und deren hohen Einsatz etwa in Arztpraxen und Steuerberatungsbüros, sondern erhalten auch unmittelbar Rückmeldung über die wirtschaftlichen Folgen. Der ganz überwiegende Eindruck ist, dass die geschnürten Hilfspakete – insbesondere die Überbrückungshilfe, aber auch die Kfw-Kredite – die erhoffte Wirkung entfalten und Perspektiven eröffnen. Für diesen Einsatz senden die Landesverbände an die Bundesregierung ein Signal der Anerkennung und des Danks.

Was die Landesverbände aber auch sehen, ist eine bedrohliche Situation vieler kleiner Freiberufler-Einheiten und Solo-Selbständiger, für die die bisherigen ALG-II-Programme nicht greifen und die nun mit dem zweiten Lockdown in existentielle Nöte geraten.

Eine zielgerichtete Lösung bestünde aus unserer Sicht deshalb in der Anerkennung des Lebensunterhaltes (d.h. im sogenannten Unternehmerlohn) und nicht nur der Betriebskosten im Rahmen der Überbrückungshilfe. Deshalb habe alle 15 Landesverbände eine Resolution verfasst, die sich bewusst an die Bundesregierung richtet. Der BFB als Bundesverband mit seinen insgesamt 57 Mitgliedsorganisationen unterstützt diese Resolution.

Die Resolution können Sie hier im Volltext lesen.

Die Freien Berufe in Baden-Württemberg und Verbandsprofil

Die Freien Berufe sind für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben Baden-Württembergs unverzichtbar. Ihre Vertreter tragen Sorge für das Gemeinwohl, sichern das Gesundheitswesen und die Rechtsordnung, und prägen die Baukultur und Kunst entscheidend mit. Damit sind die Freien Berufe mehr als ein bloßer Wirtschaftsfaktor.

In Baden-Württemberg gibt es knapp 176.000 selbständige Freiberufler. Dies entspricht einem Drittel aller Unternehmen. Insgesamt beschäftigen die selbständigen Freiberufler in ihren Apotheken, Büros, Kanzleien und Praxen über 567.000 Erwerbstätige. Darunter fallen 505.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, 26.500 Auszubildende und 35.000 mitarbeitende, nicht-sozialversicherungspflichtige Familienangehörige. Die im Jahr 2018 von den Freiberuflern im Land erbrachten Lieferungen und Leistungen hatten einen Wert von knapp 78 Mrd. Euro. Insgesamt beläuft sich der Anteil der Freien Berufe am baden-württembergischen BIP auf 10,3 Prozent, womit die freiberufliche Wirtschaftskraft noch vor dem Fahrzeugbau (9,9 Prozent) und dem Maschinenbau (7,3 Prozent) liegt.

Der LFB BW vertritt als Dachorganisation 45 Kammern und Verbände der Freien Berufe in Baden-Württemberg, darunter Apotheker, Ärzte, Dolmetscher und Übersetzer, Ingenieure, Notare, Patentanwälte, Psychotherapeuten, Rechtsanwälte, Restauratoren, Steuerberater, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer und Zahnärzte.