BFB warnt vor KI-Blindheit

Veröffentlichungsdatum: 28. August 2026

Laut dem jüngsten Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex liegt die Nutzung von KI in der Gesamtwirtschaft mittlerweile bei knapp 55 Prozent. KI-Tools sind damit längst im Geschäftsalltag angekommen und übernehmen zunehmend sogar automatisiert Aufgaben. Stephan Hofmeister, Präsident des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB), warnt jedoch vor „KI-Blindheit“ und einem „unkontrollierten“ Einsatz der Technologie.

KI-Blindheit beschreibt für den Bundesverband der Freien Berufe (BFB) vor allem eines: die fehlende Vorstellung davon, was im Ernstfall auf dem Spiel steht, wenn eine automatisierte Entscheidung falsch ist. Während der Einsatz von KI in der Gesamtwirtschaft laut Jimdo-ifa-Geschäftsklimaindex inzwischen bei 54,5 Prozent liegt, fehlt in vielen Bereichen ein Blick dafür, was passiert, wenn niemand mehr dazwischengeht. Zwei Beispiele aus den Freien Berufen machen sichtbar, wie hoch die Risiken sind, und wie sich damit verantwortungsvoll umgehen lässt.

KI-gestützte Systeme werten heute Röntgenbilder, Hautveränderungen oder Symptome vor und liefern in Sekunden einen Befundvorschlag. Das beschleunigt die Arbeit erheblich. Entscheidend ist, was danach passiert: Bleibt die abschließende ärztliche Beurteilung ein obligater Bestandteil des Prozesses, oder verkommt sie unter Zeit- und Kostendruck zur Formsache? Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob KI ein Werkzeug bleibt oder heimlich zur eigentlichen Entscheidungsinstanz wird.

"Die Frage ist nie, ob die KI in neun von zehn Fällen richtig liegt", sagt BFB-Präsident Dr. Stephan Hofmeister. "Die Frage ist, was im zehnten Fall passiert, und ob der Prozess so gebaut ist, dass dieser Fall auffällt, bevor er einer Patientin oder einem Patienten schadet."

Technisch ist es längst möglich, dass KI-Systeme Mahnungen, Abmahnungen oder Fristsetzungen eigenständig generieren und verschicken, ohne dass eine Anwältin oder ein Anwalt sie vorher liest. Noch schreibt die anwaltliche Berufspflicht die menschliche Prüfung und persönliche Verantwortung zwingend vor. Doch diese Möglichkeit wächst, und genau das muss verhindert werden: Ein Schreiben mit falscher Fristberechnung, falscher Anspruchsgrundlage oder einem erfundenen Präzedenzfall ließe sich nach dem Versand nicht mehr zurückholen. Aus dem erhofften Effizienzgewinn würde ein Haftungsrisiko, das die Mandantin oder den Mandanten träfe, dem das Schreiben eigentlich nützen sollte.

"Ein KI-Tool kennt keine Moral, es kennt nur Wahrscheinlichkeiten", sagt Hofmeister. "Zwischen einem KI-Entwurf und einem rechtswirksamen Schreiben muss deshalb immer ein Mensch stehen, der beides versteht: das Werkzeug und die Tragweite seiner Fehler." Für die Arbeit einer Künstlichen Intelligenz müsse daher immer ein Mensch verantwortlich und sich dessen auch bewusst sein. "Wir dürfen nicht den Fehler machen und uns blind auf den Output von KI-Tools verlassen. Dabei geht es auch um Nachhaltigkeit im Betrieb. Wer hat bei einem intensiven Einsatz von KI zukünftig noch die Fach- und Sachkenntnis, um Fehler zu erkennen, bevor diese mitunter fatale Auswirkungen haben?", so Hofmeister.

Beide Fälle zeigen, warum Freie Berufe beim Umgang mit KI eine Vorbildfunktion einnehmen. Freiberuflerinnen und Freiberufler gehören zu den Berufsgruppen, die KI am selbstverständlichsten einsetzen, weil ihre Berufsordnungen und ihre persönliche Haftung von jeher verlangen, genau hinzusehen. Diese Kombination aus Sorgfaltspflicht und persönlicher Verantwortung ist die Grundlage für einen Umgang mit KI, der informiert und zugleich vertrauensvoll ist.

Doch auch abseits des technischen KI-Einsatzes nehmen Freiberuflerinnen und Freiberufler eine besondere Rolle ein, betont der BFB-Präsident: "Unsere freiberuflichen Tätigkeiten, beispielsweise in der medizinischen Versorgung aber auch im Rechtswesen, sind nur bei gegenseitigem Vertrauen und einem empathischen Umgang möglich. Eine intakte Beziehung etwa zum Arzt oder der Steuerberaterin ist zentral. Das ersetzt keine Maschine."

"Freie Berufe setzen KI ein, weil sie ihnen hilft sagt Hofmeister. "Wir wissen genau, wo unsere Verantwortung anfängt und wo sie aufhört. Von diesem informierten Vertrauen brauchen wir insgesamt mehr, in Unternehmen, Verwaltungen und überall dort, wo KI-Entscheidungen echte Folgen haben.

Der BFB fordert verbindliche Mindeststandards für menschliche Kontrolle überall dort, wo automatisierte Entscheidungen unmittelbare Folgen für Dritte haben, ergänzt um Qualifizierungsangebote, die genau den risikobewussten Umgang vermitteln, den die Freien Berufe bereits praktizieren.

"Fortschritt trägt Verantwortung in sich, das gehört zusammen", sagt Hofmeister. "Die Freien Berufe zeigen seit Langem, wie man beides verbindet. Diese Erfahrung stellen wir jetzt der ganzen Debatte zur Verfügung."

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