In einer von der Bundessteuerberaterkammer initiierten gemeinsamen Erklärung wenden sich wichtige Organisationen der Freien Berufe gegen die zunehmenden Aktivitäten finanzstarker, internationaler Finanzinvestoren. Sie fordern die Bundesregierung auf, das Fremdbesitzverbot spürbar zu stärken. Der gemeinsame Auftritt markiert einen besonderen Schulterschluss der berufsständischen Spitzenorganisationen.
Die Freien Berufe stehen für Unabhängigkeit, Vertrauen und persönliche Verantwortung. Doch diese Grundwerte geraten zunehmend unter Druck: Internationale Finanzinvestoren versuchen wirtschaftlichen Einfluss zu gewinnen und aus dem besonderen Vertrauensverhältnis der Freiberuflerinnen und Freiberufler finanziellen Profit zu schlagen.
Konkreter Anlass der gemeinsamen Erklärung ist nun eine geplante Novelle des Steuerberatungsgesetzes, welche das Fremdbesitzverbot, nach dem rein externe Kapitalgeber wie Banken und Finanzinvestoren nicht Gesellschafter einer steuerberatenden Berufsausübungsgesellschaft sein dürfen, aufweichen wollte. Im Gesundheitswesen gibt es mit den sog. investorenbetriebene medizinische Versorgungszentren bereits seit Längerem solche Entwicklungen.
Die Initiatoren der Erklärung um die Bundessteuerberaterkammer kritisieren diese rein gewinnorientierten Versuche berufsfremder Investoren, über Beteiligungs-, Ketten- oder Holdingmodelle faktisch Einfluss auf die Berufsausübung der Freiberuflerinnen und Freiberufler zu gewinnen. Das ist eine ernsthafte Gefahr für die Unabhängigkeit der Freien Berufe – und damit für den Verbraucherschutz in sensiblen Bereichen wie Steuerberatung, Recht oder Gesundheit.
„Freie Berufe handeln im Interesse der Menschen – nicht im Interesse von Renditeerwartungen. Wenn Kapitalgeber Einfluss nehmen, droht ein gefährlicher Zielkonflikt: kurzfristiger Gewinn statt langfristiger Qualität. Wo wirtschaftliche Interessen über fachliche Verantwortung gestellt werden, verliert das Gemeinwohl. Das Fremdbesitzverbot sichert Qualität, Eigenverantwortung und Integrität – und damit die Werte, auf denen das Vertrauen in die Freien Berufe ruht“, so die Initiatoren.
Weitere Informationen
Die gemeinsame Erklärung kann auf der Website der Bundessteuerberaterkammer im Volltext gelesen werden.