Freie Berufe fordern Politikwechsel: Wirtschaft wird von kleinen Teams getragen, nicht von Konzernen

Veröffentlichungsdatum: 03. September 2026

Rund drei Millionen der 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland beschäftigen bis zu neun Mitarbeitende, zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion. Der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) fordert deshalb einen Politikwechsel: Die deutsche Wirtschaft wird von kleinen Teams getragen, nicht von Konzernen.

"Wer Wirtschaftspolitik macht, muss diese Realität mitdenken", sagt BFB-Präsident Dr. Stephan Hofmeister. "Sonst geht Politik an der Mehrheit der Betriebe vorbei."

Auch die rund 1,49 Millionen selbstständigen Freiberuflerinnen und Freiberufler in Deutschland arbeiten überwiegend in kleinen Einheiten, in Praxen, Kanzleien und Büros mit im Schnitt rund drei Mitarbeitenden. Politische Vorhaben und Gespräche orientieren sich aber häufig an großen Konzernen, die Kleinstbetriebe geraten ins Hintertreffen. Genau diese Struktur trägt jedoch entscheidend zur Versorgung des Landes bei.

Ein Großkonzern verschwindet mit Schlagzeilen. Ein kleiner Betrieb verschwindet oft leise, wenn eine Nachfolge scheitert, eine Praxis nicht weitergeführt wird oder Bürokratie die letzten Kapazitäten aufzehrt. Laut Bundesregierung haben allein 2024 und 2025 rund 215.000 Unternehmen eine Nachfolge angestrebt. Wie viele davon eine Lösung gefunden haben, erfasst die Regierung nach eigenen Angaben nicht.

"Auch kleine Einheiten können sterben, nur eben langsam und ohne, dass es in Berlin jemand bemerkt", so Hofmeister. "Gerade sie sind es aber, die in der Fläche Gesundheitsversorgung, Rechtsstaat, Wohnen und Infrastruktur sichern. Kleine Einheiten und Betriebe haben vor Ort ein Gesicht. Sie verschwinden nicht, wenn woanders mehr verdient werden kann. Sie geben Menschen ein Gefühl der Sicherheit und Wertschätzung, sie stehen ein für ihre Arbeit. Das unterscheidet sie von anonymen Großkonzerne. Damit stabilisieren sie eine Gesellschaft und die Akzeptanz der Demokratie. Wenn eine Landarztpraxis oder eine Kanzlei, eine Apotheke oder ein Ingenieurbüro auf dem Land aufgeben, merken das die Menschen in der Region. Niemand sonst springt im Zweifel ein."

Der BFB fordert seit Jahren, Nachfolge, Bürokratieabbau und Rahmenbedingungen für Klein- und Kleinstbetriebe künftig gezielter mitzudenken. Nicht nur als Randnotiz größerer Mittelstandspolitik, sondern als eigenständigen Schwerpunkt. Nur so lässt sich verhindern, dass ausgerechnet die Strukturen wegbrechen, auf die Menschen in der Fläche täglich angewiesen sind.

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