Freie Berufe fordern zügige Sondierungsgespräche

Veröffentlichungsdatum: 23. März 2026

Mit Blick auf die beginnenden Sondierungsgespräche appelliert der Landesverband der Freien Berufe Baden-Württemberg (LFB) an Bündnis 90/Die Grünen und die CDU, die Sondierungsphase mit der gebotenen Sorgfalt, aber dennoch zügig durchzuführen.

"Die Zeiten sind herausfordernd und die Wirtschaft braucht neuen Schwung; Stillstand und zögerliches Taktieren können wir uns jetzt nicht leisten", sagt LFB-Präsident Dr. Björn Demuth. Eine neue Regierung sollte sich so zeitnah wie möglich finden und dementsprechend rasch ihre Arbeit aufnehmen, so der Präsident weiter. Eine kurze Sondierungs- und Verhandlungsphase, an deren Ende eine klare Agenda für den „wirtschaftlichen Wiederaufschwung“ stehe, setze ein starkes Zeichen: Dass nämlich das im Wahlkampf abgegebene Versprechen, den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg nachhaltig zu stärken, entschlossen umgesetzt wird.

Handlungsbedarf sieht der LFB vor allem deswegen, weil die Rahmenbedingungen, unter denen freie Berufsausausübung geschieht, mehr als ausbaufähig sind. Und viele Probleme sind „hausgemacht“: So erschweren beispielsweise immer neue Dokumentationspflichten und hochkomplexe Vorgaben den Arbeitsalltag der Freiberuflerinnen und Freiberufler. Auch wird es immer schwieriger, einen Nachfolger für die eigene Arztpraxis, Apotheke oder Kanzlei zu finden – auch hier „drücken“ bürokratische Hürden und unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Darüber hinaus ist die Digitalisierung von Arbeitsprozessen mit hohen Investitionskosten und viel Aufwand verbunden – ohne Garantie, dass danach der Berufsalltag auch tatsächlich einfacher wird.

Der LFB sieht die neue Landesregierung klar in der Pflicht, sich landes- und bundesweit für bessere Rahmenbedingungen für die Freien Berufe starkzumachen. Darunter zählen Abbau von Bürokratie und weg vom politischen Mikromanagement, Investitionsanreize, effektive Förderprogramme bei der Nachfolger-Suche und bei der Nachwuchsgewinnung, verlässliche und praxisnahe Unterstützung bei der Digitalisierung der Arbeitswelt sowie die Anpassung von Vergütungsstrukturen an steigende Arbeitsanforderungen und Kosten.

Wichtig ist nach den Worten von Dr. Demuth, dass Verbesserungen schnell in die Umsetzung kommen. Denn von einer Stärkung der Freien Berufe profitieren Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes. Freiberuflerinnen und Freiberufler sind ein starker Motor für Versorgung, Innovation, wirtschaftliche Entwicklung und Rechtssicherheit. Ärzte, Zahnärzte, Anwälte, Apotheker, Steuerberater, Architekten, Ingenieure und weitere Berufsgruppen aus dem Feld der Freien Berufe sichern beispielsweise die Gesundheits- und die Arzneimittelversorgung, stärken den Rechtsstaat, tragen Verantwortung für eine verlässliche und nachhaltige Infrastruktur, setzen Impulse für Baukultur und Kunst und tragen auf vielfältig andere Art und Weise zu einer modernen, funktionierenden und vor allem am Gemeinwohl orientierten Gesellschaft bei.

Zudem sind sie ein „Beschäftigungstreiber“: Insgesamt sind knapp 780.000 Personen im Südwesten in Freien Berufen tätig. – Dies entspricht einem Anteil von 12,3 Prozent an allen Beschäftigten hierzulande und trägt zum Bruttoinlandsprodukt in ähnlicher Größenordnung bei – deutlich mehr als Automotive oder Maschinenbau. Sie haben zudem einen großen Anteil der Integration ausländischer Fachkräfte in den hiesigen Arbeitsmarkt: Fast 23 Prozent der Auszubildenden in den Freien Berufen im Südwesten haben keinen deutschen Pass, aber eine Perspektive, und tragen zur Wirtschaftskraft des Südwestens bei.

"Allerdings läuft der Motor, den die Freien Berufe darstellen, aktuell nicht auf voller Leistung", bilanziert Dr. Demuth. "Daher ist es uns ein großes Anliegen, schnell mit der Politik ins Gespräch zu kommen, die Lage zu analysieren und zu schauen, welche Stellschrauben wir neu justieren müssen, damit es wieder bergauf geht. Das kommt allen zugute."

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