Warnsignale statt Aufbruchstimmung

Veröffentlichungsdatum: 27. Juli 2026

Die wirtschaftliche Lage bei den Freien Berufen hat sich im Sommer 2026 spürbar verschlechtert. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB).

"Die Ergebnisse unserer Umfrage sind ein klares Warnsignal. Die Stimmung unter den Freien Berufen hat sich gegenüber dem Vorjahr spürbar verschlechtert: Nicht einmal jede beziehungsweise jeder Zwölfte rechnet für die kommenden sechs Monate mit einer günstigeren Entwicklung, während fast vier von zehn Befragten eine weitere Verschlechterung erwarten. Auch die aktuelle Geschäftslage wird kritischer bewertet: Der Anteil negativer Einschätzungen kletterte innerhalb eines Jahres um drei Prozentpunkte auf 20,5 Prozent", so BFB-Präsident Dr. Stephan Hofmeister.

Und er sagt weiter: "Die Freien Berufe haben sich lange als widerstandsfähig erwiesen. Doch die anhaltende wirtschaftliche Schwäche hinterlässt Spuren und macht zunehmend mürbe. Die Zuversicht auf eine baldige wirtschaftliche Trendwende schwindet. Beim Blick auf die künftige Personalentwicklung zeigt sich eine gewisse Vorsicht. 12,4 Prozent der befragten Freiberuflerinnen und Freiberufler rechnen damit, in zwei Jahren mehr Mitarbeitende zu beschäftigen als heute. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 14,1 Prozent. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels verdeutlicht dies die zurückhaltenden Erwartungen der Freien Berufe.

Wenn die Freien Berufe bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen fordern, geht es auch darum, die Versorgung, Beratung und Begleitung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen zu sichern. Dafür braucht Deutschland einen klaren wirtschafts- und ordnungspolitischen Kurs: mehr Leistungsfähigkeit, wirtschaftliche Dynamik und Planungssicherheit statt neuer Belastungen.

Wir erkennen an, dass die Bundesregierung bei einzelnen Vorhaben wichtige Anliegen der Freien Berufe aufgegriffen hat, etwa beim Fremdbesitzverbot für Steuerberaterinnen und Steuerberater oder bei der Vergabebeschleunigung. Zugleich kritisieren wir Entscheidungen, die den gesamten Mittelstand treffen – etwa bei der Tariftreue oder bei der Aktivrente, die bislang nur Angestellte erfasst. Kritisch sehen wir auch, dass zugesagte Unterstützung bei der Begabtenförderung für Auszubildende und Fachkräfte, insbesondere beim Stipendienprogramm ‚Talente in der Ausbildung‘, sowie beim Mutterschutz für Selbstständige und beim Elterngeld nun mit Verweis auf den knappen Haushalt zu kippen droht.

Deutschland braucht keine Ankündigungen, sondern umsetzbare Reformpakete, die wirken. Sie müssen Bürokratie abbauen, Planungssicherheit gewährleisten, Vertrauen schaffen und die Versorgung sichern. Vorhaben, die neue Belastungen auslösen, bewährte Strukturen schwächen oder ohne ausreichende Einbindung der Praxis entstehen, erfüllen diesen Anspruch nicht. Dazu gehört auch eine Gesetzgebung, die auf Qualität und Beteiligung setzt. Seit Jahren beobachten wir immer kürzere Stellungnahmefristen in Gesetzgebungsverfahren. Das erschwert eine sorgfältige fachliche Mitwirkung der betroffenen Verbände und erhöht das Risiko praxisferner Regelungen. Wer tragfähige Reformen will, muss die Expertise der Praxis frühzeitig einbinden."

Zentrale Ergebnisse der BFB-Konjunkturumfrage:

Die aktuelle Geschäftslage wird von 36,4 Prozent der befragten Freiberuflerinnen und Freiberufler als gut eingeschätzt. Weitere 43,1 Prozent bewerten sie als befriedigend und 20,5 Prozent als schlecht. Verglichen mit den Vorjahreswerten verschlechtert sich die Stimmung: Im Sommer 2025 beurteilten 39,5 Prozent der Befragten die Lage als gut, 43 Prozent als befriedigend und 17,5 Prozent als schlecht.

8,3 Prozent der Befragten rechnen für das kommende Halbjahr mit einer günstigeren Entwicklung. 52,8 Prozent gehen von einer gleichbleibenden und 38,9 Prozent von einer sich verschlechternden Lage aus. Hier zeigen sich deutliche Veränderungen zu den Vorjahreswerten, als 10,9 Prozent eine positive, 59,2 Prozent eine gleichbleibende und 29,9 Prozent der Befragten eine negative Zukunftsprognose abgaben.

12,4 Prozent der befragten Freiberuflerinnen und Freiberufler gehen davon aus, in zwei Jahren eher mehr Mitarbeitende zu beschäftigen als heute. 66,1 Prozent erwarten einen gleichbleibenden Mitarbeiterstamm und 21,5 Prozent gehen von einem Rückgang aus. Im Vorjahr gingen 19,4 Prozent davon aus, in zwei Jahren weniger Mitarbeiter zu haben, und 14,1 Prozent erwarteten einen Zuwachs.

Weitere Informationen

Alle Kennziffern und Ergebnisse der Konjunkturumfrage finden Sie hier auf der BFB-Website.

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